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31. August 2026 | Biodiversität

Wer sitzt am Tisch, wenn ĂĽber Natur entschieden wird?

In diesem Blogbeitrag wurde die Frage thematisiert, was als Natur zählt und welchen Wert Natur für uns hat. Daraus ergeben sich weitere wichtige Fragen: Wer entscheidet, welche Werte zählen? Wer profitiert von welcher Bewertung? Genau hier setzt das Thema „Governance und Justice bei Nature-based Solutions (NbS)” an.

NbS lösen nicht automatisch das Problem, für das sie gedacht sind.

Ein Wiederaufforstungsprojekt, ein Feuchtgebiet-Schutzprogramm oder eine Aufforstungsfläche für CO₂-Zertifikate klingen zunächst einmal positiv. Die entscheidende Frage ist jedoch: Für wen funktioniert das Projekt eigentlich? Wer entscheidet, welches Land dafür genutzt wird? Welche Nutzungsrechte gehen dabei verloren? Und wer profitiert von den Erträgen (finanziell oder anderweitig)?

In der Praxis bedeutet dies: Sind die Landrechte und Entscheidungsbefugnisse vor Ort nicht klar geregelt oder werden lokale Gemeinschaften bei der Planung nicht einbezogen, kann ein gut gemeintes NbS-Projekt genau die Menschen benachteiligen, die am stärksten von einer intakten Natur abhängig sind.

Das Stichwort dafĂĽr ist FPIC (Free, Prior and Informed Consent): die freie, vorherige und informierte Zustimmung der betroffenen Gemeinschaften. Das klingt zwar bĂĽrokratisch, ist aber der entscheidende Unterschied zwischen einem Projekt, von dem lokale Akteure profitieren, und einem, das an Widerstand oder Rechtsstreitigkeiten scheitern kann.

Machtfragen und Dialog

Wer als Unternehmen in biodiversitätssensiblen Regionen einkauft, natürliche Rohstoffe bezieht oder in Ausgleichsprojekte investiert, berührt genau diese Fragen – ob bewusst oder nicht. Governance und Justice sind damit keine akademischen Themen, sondern eng verwandt mit den ohnehin in der Lieferkette geforderten Sorgfaltspflichten. Wer hat vor Ort Rechte an Land und Ressourcen? Werden diese respektiert? Was passiert, wenn nicht?

Unternehmen, die diese Fragen ignorieren, tragen ein doppeltes Risiko. Einerseits scheitern Projekte häufiger, wenn die lokale Akzeptanz fehlt. Andererseits entstehen Reputations- und Haftungsrisiken im Zusammenhang mit Menschenrechten. Eine solide Due Diligence ist daher sinnvoll und zahlt auch auf andere Menschenrechts- und Lieferkettenregulierungen ein.

Bei NbS ist Governance letztlich eine Machtfrage: Wer sitzt am Tisch, wenn über Landnutzung entschieden wird? Wer trägt die Kosten, wenn ein Projekt scheitert, und wer erhält die Erträge, wenn es erfolgreich ist? Diese Fragen lassen sich nicht mit einer Checkliste lösen, wohl aber in Gesprächen auf Augenhöhe.

Wie geht es weiter?

Die Anschlussfrage lautet: Wie kommt man zu einer Finanzierung des Naturschutzes, die diese Machtfragen ernst nimmt, statt sie zu übergehen? Genau darum geht es im nächsten Beitrag: Biodiversity Finance – welche Mechanismen funktionieren und wo das Risiko für Greenwashing besonders groß ist.

Kathrin Jansen

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