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5. Mai 2026 | Biodiversität

Naturrisiken in der Lieferkette: Was der Biodiversitäts-Check über deutsche Unternehmen verrät

In globalen Wertschöpfungsketten sind Unternehmen mit wirtschaftlichen Akteuren über Ländergrenzen hinweg verwoben. Geopolitische Spannungen, wie zuletzt um die Straße von Hormus, zeigen, wie schnell diese Ketten ins Wanken geraten können.

Doch am Anfang vieler Produktionsprozesse steht die Natur: Böden, auf denen Rohstoffe wachsen, Erze, die über Millionen Jahre entstanden sind, sauberes Wasser und unzählige Arten, die als Bestäuber eine fundamentale Rolle für unsere Ernährung spielen. Über diese Abhängigkeit denken die wenigsten nach, solange alles funktioniert. Doch unser Wirtschaftssystem übt zunehmenden Druck auf Natursysteme aus und bringt sie an ihre Kapazitätsgrenzen oder zerstört sie.

Was ist der Biodiversitäts-Check?

Seit einigen Monaten gibt es auf check.cambria-consulting.de die Möglichkeit, diese Abhängigkeiten gezielt zu durchdenken. Nach Eingabe einiger Angaben zum Unternehmen und den verwendeten Rohstoffen zeigt der Check, an welchen Stellen das eigene Geschäftsmodell mit der Natur in Berührung kommt und welche Risiken sich daraus ergeben.

Ich habe die eingegangenen Checks nicht nur für die jeweiligen Unternehmen ausgewertet, sondern auch nach übergreifenden Mustern gesucht. Zwei Befunde fielen besonders auf.

Befund 1: Rohstoffpreise steigen quer durch alle Branchen

Von der Lebensmittelproduktion über die Kosmetikbranche bis zur Textilindustrie berichten die Teilnehmenden von gestiegenen Rohstoffpreisen. Genannt werden immer wieder: Kaffee, Kakao, Obst und Gemüse aus dem Mittelmeerraum, Ölsaaten, Getreide, Baumwolle. Bei einigen Rohstoffen werden auch konkrete Lieferengpässe genannt.

Viele dieser Rohstoffe sind Teil fragiler Ökosysteme. Kakao etwa wächst nur in einem engen Klimafenster, ist stark bestäuberabhängig und leidet unter zunehmend veränderten Niederschlagsmustern und Schädlingen. Kaffee kämpft in vielen Anbauregionen mit Pilzbefall, der sich unter wärmeren, feuchteren Bedingungen ausbreitet. Natürliche Gleichgewichte kippen, und das zeigt sich zuerst im Ertrag und dann im Einkaufspreis.

Ein Großteil der Checks wurde vor den jüngsten geopolitischen Eskalationen im Nahen Osten ausgefüllt. Seitdem haben sich Routen, Preise und Unsicherheiten in mehreren betroffenen Lieferketten zusätzlich verschoben. Das verstärkt, was im Check ohnehin sichtbar wurde: Wer seine Abhängigkeiten nicht kennt, ist nicht steuerungsfähig.

Befund 2: Klima ja, Biodiversität — weiß nicht

Viele Unternehmen erstellen bereits eine Klimabilanz. Das ist ein guter erster Schritt, auch im Hinblick auf Biodiversität, schließlich ist der Klimawandel ein zentraler Treiber für Biodiversitätsverlust. Biodiversität wird jedoch nur selten als eigenes Handlungsfeld mit eigener Risikobewertung betrachtet. Reduktionsziele, Minderungsmaßnahmen und Beschaffungskriterien, die Auswirkungen auf die Biodiversität explizit berücksichtigen, werden in den Antworten nur vereinzelt genannt.

Das ist nachvollziehbar, aber auch riskant. Klima- und Biodiversitätsrisiken überlappen, sind aber nicht deckungsgleich. Eine Lieferkette kann auf einem guten Weg in Richtung Klimaneutralität sein und trotzdem an Bestäuberverlust, Bodenerosion oder Süßwasserknappheit scheitern. Wer Biodiversität nicht eigenständig adressiert, hat einen blinden Fleck. Genau dort, wo bei vielen Geschäftsmodellen die größten realwirtschaftlichen Risiken liegen.

Was die Auswertung zeigt

Sobald Unternehmen damit beginnen, ihre Rohstoffabhängigkeiten zu dokumentieren, Produktionsstandorte aus ökologischer Perspektive zu analysieren und Lieferketten auf Naturrisiken zu überprüfen, entsteht ein detailliertes Bild. Dieses Bild hilft, die eigene Stellung in globalen Wertschöpfungsketten zu verstehen, und es macht Verwundbarkeiten benennbar, bevor sie sich materialisieren.

Wer weiß, wo er steht, kann entscheiden, wie er mit dem Risiko umgeht. Wer es nicht weiß, erfährt es früher oder später trotzdem, dann allerdings unvorbereitet.

Selbst ausprobieren

Der Biodiversitäts-Check ist kostenfrei und ohne Anmeldung verfügbar: Einfach hier klicken.

Kathrin Jansen

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