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6. September 2026 | Strategie, Regulatorik
In drei Schritten zu einem nachhaltigeren Einkauf
Einkauf und Lieferkettenmanagement gehören zu den anspruchsvollsten Tätigkeiten im Unternehmen. Es gilt, Kosten und Qualität im Blick zu behalten, Lieferzeiten zu sichern und die Verfügbarkeit zu garantieren. Mittlerweile kommen auch noch die Anforderungen Nachhaltigkeit und Risikomanagement hinzu. In diesem Beitrag geht es deshalb nicht darum, noch mehr Druck aufzubauen, sondern darum, wie sich nachhaltige Beschaffung machbar gestalten lässt.
Warum das Thema jetzt drängt
Die nächsten zwei Jahre halten einige regulatorische Meilensteine bereit. Ab dem 30. Dezember 2026 gilt die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) für mittlere und große Unternehmen, die die betroffenen Rohstoffe erstmals in die EU einführen, sowie für Händler, die diese in der Lieferkette weitervermarkten. Für Kleinst- und Kleinunternehmen gilt die Verordnung ab dem 30. Juni 2027 und im Dezember 2027 kommt die Forced Labour Regulation hinzu. Und auch wenn die CSDDD für große Unternehmen erst 2029 greift, geben diese ihre Sorgfaltspflichten oft schon deutlich früher an ihre Zulieferer weiter.
Das betrifft auch Unternehmen, die nicht selbst Rohstoffe importieren oder Agrarprodukte nur über Distributoren beziehen. Die Anforderungen wandern die Lieferkette entlang – oft schneller als erwartet. Der Weg dorthin lässt sich aber in überschaubaren Schritten gehen.
Der Erste Schritt: Mit einem risikobasierten Blick starten
Anstatt alle Lieferanten gleichzeitig und gleich intensiv zu prüfen, was in der Praxis kaum machbar ist, hilft ein risikobasierter Ansatz: Welche Lieferanten haben, gemessen an Rohstoff, Herkunftsregion und bisheriger Transparenz, das höchste Risiko? Diese Priorisierung schafft von Anfang an Verständnis auch bei den Teams, da so klar wird, wo zuerst Energie hingehört.
Der Nutzen dieser Arbeit geht über die Regulierung hinaus: Wer weiß, aus welchen Regionen die eigenen Rohstoffe stammen, hat automatisch auch ein klareres Bild davon, wo Klimarisiken oder Logistikrisiken drohen. Da Lieferketten aus verschiedenen Gründen zunehmend fragiler werden, zahlt sich diese Transparenz also auch jenseits der Compliance aus.
Zweiter Schritt: Bei den kooperativen Lieferanten anfangen
Am besten beginnt man nicht bei den schwierigsten Fällen, sondern bei den Lieferanten, die auf Rückfragen bereits gut reagieren und selbst schon an dem Thema arbeiten. Mit ihnen lässt sich ein Dialog aufbauen und gemeinsam können ESG-Kriterien in bestehenden Audits überprüft und Prozesse entwickelt werden, die sich später auf andere Lieferanten übertragen lassen. So sammelt man Erfahrung und Routine, bevor es an die schwierigeren Gespräche geht.
Dritter Schritt: Auf Vorhandenem aufbauen
Nachhaltige Beschaffung beginnt selten bei null. In den meisten Unternehmen gibt es bereits etablierte Lieferantenbeziehungen, Bewertungsprozesse oder Audits, die erweitert statt komplett neu aufgebaut werden können. Die wirksamsten Maßnahmen setzen oft auf bestehenden Beziehungen und Strukturen auf.
Was bedeutet das für den Einkauf?
Nachhaltige Beschaffung muss keine zusätzliche Belastung sein. Wer mit einer klaren Risikoeinschätzung startet, zuerst mit kooperativen Lieferanten in den Dialog geht und auf vorhandenen Strukturen aufbaut, macht das Thema Schritt für Schritt handhabbar – für den Einkauf ebenso wie für die Lieferanten selbst.
