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11. August 2026 | Strategie, Berichterstattung
Rauf aufs EcoVadis-Treppchen! Warum das Rating jetzt gefragt ist
Durch die Omnibus-Vereinfachung wurde die CSRD für viele Unternehmen entschärft. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung wird für einen großen Teil der Unternehmen freiwillig statt verpflichtend. Oft wird daraus fälschlicherweise geschlossen, dass Nachhaltigkeitsnachweise damit generell an Bedeutung verlieren.
Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Große Kunden verlangen von ihren Lieferanten weiterhin eine Bewertung ihrer Nachhaltigkeitsleistung – oft über EcoVadis – und machen diese häufig zur Voraussetzung für die Teilnahme an Ausschreibungen oder die Erteilung von Aufträgen. Auch die EmpCo-Richtlinie stellt gerade klar, welche Informationen Unternehmen zu ihrer Nachhaltigkeitsleistung kommunizieren dürfen. Das heißt: Unternehmen sollten ihre Nachhaltigkeitsleistungen nicht aus der öffentlichen Kommunikation verbannen, sondern ihr Engagement, zum Beispiel über das EcoVadis-Rating, sicher und belastbar kommunizieren.
Ich begleite Unternehmen bei EcoVadis-Bewertungen, sowohl bei der ersten Bewertung als auch bei der gezielten Verbesserung eines bestehenden Ratings. Im Folgenden die wichtigsten Beobachtungen aus den letzten Wochen.
Die größte Herausforderung sind die verstreuten Informationen
Die benötigten Daten liegen fast nie an einer zentralen Stelle. Für den Fragebogen müssen in der Regel mehrere Ansprechpersonen aus den Bereichen Einkauf, HR, Umweltmanagement und Compliance einbezogen werden. Wenn jede Anforderung einzeln mit der jeweils richtigen Person geklärt werden muss, kostet das viel Zeit. Genau hier hilft eine klare Prozessführung von außen am meisten.
Das erleichtert die Vorbereitung deutlich
- Eine bestehende Klimabilanzierung liefert sofort belastbare Daten für die Umweltkategorie.
- Eine ISO-Zertifizierung (z. B. 14001 oder 9001) zeigt bereits dokumentierte Prozesse, die sich direkt übertragen lassen.
Am wertvollsten sind aus meiner Erfahrung die doppelte Wesentlichkeitsanalyse (DMA) und eine Gap-Analyse. Beide zwingen ein Unternehmen, sich früh mit den relevanten Themen auseinanderzusetzen und Lücken sichtbar zu machen, auch wenn noch kein vollständiger Nachhaltigkeitsbericht vorliegt.
Priorisieren statt alles gleichzeitig angehen!
Nicht jede Frage zählt gleich viel. Am effizientesten ist es, zuerst die Themen anzugehen, die in der EcoVadis-Methodik am stärksten gewichtet werden. So läßt sich der größte Punktezuwachs pro investierter Stunde erzielen.
Die Falle: Sich von EcoVadis leiten zu lassen
Eine der wichtigsten Beobachtungen: EcoVadis ist ein wichtiges Rating, das jedoch nie die eigene Nachhaltigkeitsstrategie ersetzen sollte. Es passiert schnell, dass sich Unternehmen zu stark am Fragebogen orientieren, Fragen einfach abarbeiten und Dokumente produzieren, nur um Punkte zu sammeln. EcoVadis selbst betont ausdrücklich, dass genau das nicht der Sinn der Übung ist, und trotzdem passiert es in der Praxis immer wieder.
Der bessere Weg ist, erst eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln, die zum Unternehmen passt, und den EcoVadis-Fragebogen als Ausdruck dieser Strategie zu beantworten, und nicht umgekehrt. Wer sich von Compliance-Anforderungen treiben lässt statt von einer eigenen Richtung, verliert genau den strategischen Nutzen, den Nachhaltigkeitsarbeit eigentlich haben sollte.
Der unerwartete Nebeneffekt
Ungeachtet der Kritik an der Methodik und dem Sinn der EcoVadis-Fragebögen: Die Vorbereitung führt jedoch fast immer dazu, dass Unternehmen ihre eigenen Prozesse durchleuchten, verbessern und besser dokumentieren.
Mein Fazit
CSRD-Pflicht hin oder her, wer Kunden überzeugen oder Ausschreibungen gewinnen will, kommt an EcoVadis kaum vorbei. Der Prozess ist machbar, wenn man weiß, wo man ansetzt: Vorhandene Dokumente nutzen (Klimabilanz, ISO, DMA, Gap-Analyse), klare Ansprechpersonen pro Kategorie benennen und nach Gewichtung priorisieren, dabei die eigene Strategie nie aus den Augen verlieren.
Übrigens: Für das Jahr 2026 hat EcoVadis einige Änderungen an der Bewertungsmethodik vorgenommen, unter anderem bei den akzeptierten Nachweisen und der Berechnung der Themenabdeckung. Wer wissen möchte, was das für das eigene Rating bedeutet, kann sich gerne bei mir melden.
